Informatik - Wenn die tote Katze...

Wenn die tote Katze über den Aktienchart hüpft...
Fondsmanager in Marienberg Foto M Reschke (2)
Datum:
15. Nov. 2020

Informatik

Wenn die tote Katze über den Aktienchart hüpft

Finanzprofi Dr. Fabian Braun berät unsere Schülerinnen im Planspiel Börse

Aktienmarktrallye, Doppelhoch, Flagge und Dreieck, dead cat bounce und Bärenfalle, Pionierrenditen, Geschäftsmodell und Bilanzbetrug - die letzten Monate waren an den internationalen Finanzmärkten volatil herausfordernd. Unsere Schülerinnen des Zusatzkurses Geschichte bei Herrn Reschke haben sich in den vergangenen Wochen mit diesen und anderen Themen nicht nur theoretisch im Geschichtsunterricht, sondern auch ganz praktisch im Planspiel Börse der Sparkassen auseinandergesetzt. Sie haben im Planspiel Aktien ausgewählt, bewertet, gekauft, gehalten oder wieder verkauft und dabei unterschiedliche Investmentstrategien ausprobieren können.

Am vergangenen Dienstag luden unsere Schülerinnen zur Halbzeit des Planspiels einen der Gründer des Finanzdienstleister A.IX Capital, Herrn Dr. Fabian Braun, in den Unterricht ein und haben ihn per Videokonferenz in den Kursraum zugeschaltet. Herr Dr. Braun konnte unseren Schülerinnen praktische und strategische Tipps für das laufende Planspiel geben und grundlegend über Finanzen und die Finanzindustrie informieren. Die A.IX Capital bietet Fonds für Privatanleger an und beschäftigt sich jeden Tag mit dem Geschehen an den internationalen Finanzmärkten. Das Besondere, die Fonds werden Software-gesteuert betreut, d. h. ausgeklügelte Algorithmen treffen emotionslos und regelbasiert die Investmententscheidungen über Kauf und Verkauf von Wertpapieren.
In Deutschland sind Vermögen immer noch männlich, so Dr. Braun in seinem Einstiegsstatement und erklärt damit, warum gerade Frauen sich mit ihren Finanzen befassen sollten. Bringt es ein Mann im Durchschnitt auf ein Vermögen in Höhe von 126.500 €, kommt eine Frau in Deutschland im Mittel nur auf ein Vermögen von 80.000 €, ein Bild, das sich bei den Renten fortsetzt. Wie kann man aber Vermögen aufbauen? Dr. Braun macht deutlich, dass es nur zwei Anlageklassen mit einer positiven Gesamtrendite nach Steuern und Teuerung gibt: Immobilien und Aktien. Er beklagt, dass die Deutschen vor allem die Aktien schmähen, obwohl hier auf längere Sicht die größeren Renditen zu erzielen sind. In Immobilien sind in Deutschland etwa 8.200 Mrd. € investiert, in die renditestärkeren Aktien dagegen nur gerade einmal 700 Mrd. €.

Im zweiten Teil des doppelstündigen Expertengesprächs geht es dann konkret um Tipps fürs laufende Planspiel, aber auch allgemein um die Finanzindustrie, die dortigen Arbeitsbedingungen und Wege in die Finanzbranche. Mit Blick auf den sehr kurzen Spielzeitraum rät Herr Dr. Braun zu einer Wette auf die weitere Kursentwicklung und kontra-intuitivem Investieren. Wer mit einem Impfstoff im Herbst gerechnet habe, hätte fallende Kurse bei Lufthansa und MTU als Einstiegskurse nutzen und auf eine Erholung setzen können und damit seine Rendite eingefahren, wie er mit Blick auf das aktuelle Börsengeschehen ausführt.

Ansonsten seien längere, mehrjährige Haltedauern für ein Engagement in den Aktienmärkten aus seiner Sicht für einen nachhaltigen Erfolg zwingend erforderlich. Der promovierte Physiker erläutert auf Nachfragen seinen Weg in die Finanzindustrie und meint, dass dort Naturwissenschaftler und Mathematiker recht häufig anzutreffen sind, sowohl bei Versicherungen als auch bei Banken, so Dr. Braun.

Insgesamt rät er den Schülerinnen dazu, sich möglichst frühzeitig mit dem Thema Börse und Aktien zu befassen und langfristig orientiert, selbständig und unabhängig möglichst früh anzufangen, damit Vermögen nicht männlich bleibt. Unsere Schülerinnen haben mit ihrer Teilnahme am Planspiel Börse einen weiteren Schritt zu fundierter finanzieller Grundbildung und späterer finanzieller Selbstständigkeit unternommen.

Text und Fotos: Michael Reschke

Fondsmanager in Marienberg Foto M Reschke